Digitalisierung – eine Frage der Kultur

20.12.2021 · 6 min Lesezeit

Blog

AUTOR:IN

Moritz Mann

Gründer, Protofy

Kulturfrage Digitalisierung

Wie schaffen wir die Digitalisierung? Alle wollen digital erfolgreich sein, aber nicht jeder weiß, was dafür zu tun ist. Vor allem wird das Thema immer noch oft missverstanden. So gibt es viel blinden Aktionismus, bei dem jede Menge Geld und Ressourcen verbrannt werden.

Culture first, digital second

Wichtig ist, sich überhaupt erst mal klarzumachen, worum es bei einer Digitalisierung im Kern geht. Nämlich nicht um die Gestaltung und Verbauung digitaler Technologien in prestigeträchtigen Leuchtturmprojekten. Sondern um eine ganzheitliche Veränderung, einen Paradigmenwechsel, der sich in allen Facetten über das gesamte Unternehmen erstreckt. Für eine erfolgreiche Digitalisierung braucht es digitale Geschäftsmodelle und Strategien, kundenwertorientierte Steuerungsmodelle und einen Wandel in der Mentalität und der Unternehmenskultur. Das Motto lautet: Culture first, digital second. Wenn das nicht gegeben ist, dann ist das eine klassische Sollbruchstelle, an der die Digitalisierung ziemlich sicher scheitern wird.

Schnell sein, testen, Fehler machen, lernen

Das klingt alles komplizierter, als es ist. Ich betone immer: Digitalisierung ist kein Hexenwerk. Jedes Unternehmen kann digital erfolgreich sein. Wer sich verändern will und noch am Anfang der Digitalisierung steht, darf sich ruhig bei anderen etwas abgucken.

Erfolgreiche digitale Geschäftskonzepte sind immer:

  • Kundenzentriert: Sie lösen ein echtes Problem.

  • Datengetrieben: Es wird wenig mit Annahmen und viel mit Belegen gearbeitet, und es gibt ein ausgiebiges Testing.

  • Skalierbar und automatisierbar: Das Konzept ist in sich intelligent oder lernend – hier entsteht Impact.

Erfolgreiche Digitalunternehmen arbeiten außerdem alle nach dem gleichen Prinzip:

  1. Start! Schnell eine Version schaffen, die am Kunden getestet werden kann, statt auf das perfekte Produkt zu warten.

  2. Start small: Den Mut haben, Dinge wegzulassen. Was ist Kern und Mehrwert des Produkts oder der Dienstleistung? Was ist überflüssig? Verkauft wird das kleinstmögliche Produkt.

  3. Learn: Daten sammeln, Feedback einholen, Fehler machen, eigene Annahmen immer wieder überprüfen und hinterfragen.

  4. Iterate: Aus dem Feedback und den Fehlern lernen und damit das Produkt nach und nach weiterentwickeln.

Nach genau diesem Baukastensystem arbeiten wir auch bei Protofy. Schnell sein. Testen. Fehler machen. Lernen. Es funktioniert immer, bei jedem Unternehmen, in jeder Branche.

Auf die Kund:innen hören

Aber was heißt das nun im Detail? Wer digital verkaufen will, muss zunächst wissen, was die Kund:innen wollen. Customer-Centricity mag eins der Buzzwords der Stunde sein – das Thema Kundenzentriertheit ist für eine erfolgreiche Digitalisierung aber tatsächlich entscheidend. Je nachdem, wie viel Vorwissen und Daten es bereits gibt, können verschiedene Methoden Klarheit bringen. Dazu zählen unter anderem Zielgruppenstudien, Interviews, Tests des bestehenden Produkts oder eines Prototypen mit der Zielgruppe und Designsprints.

Wie kundenzentriert sind wir wirklich?

Vor allem aber gilt es, ehrlich die Unternehmenshaltung und -strukturen zu hinterfragen. Viele Unternehmen glauben, bereits kundenzentriert zu sein, sind es aber nicht. Kritische Fragen, die sich Unternehmer:innen stellen sollten, sind:

  • Kennen wir schon das Problem, das wir lösen?

  • Erheben wir schon ausreichend Daten?

  • Wer entscheidet bei uns und auf welcher Basis? Entscheiden wir tatsächlich basierend auf Insights und Daten? Oder gewinnt bei uns die Meinung der CEO, der Erben im Familienunternehmen oder anderer Entscheider:innen?

Es braucht moderne Strukturen

Organisationen, die digital erfolgreich sein möchten, brauchen außerdem moderne Strukturen und Leader. Gerade die CEOs sind hier initial gefragt. Sie müssen:

  • dazu beitragen, eine Vision, Mission und Strategie zu formulieren,

  • dafür sorgen, dass die Organisation die Erreichung der Ziele messen kann und das auch tut,

  • sicherstellen, die richtigen Stellen mit den richtigen Leuten zu besetzen und ihnen Entscheidungskompetenz geben. People & Team is everything!

  • eine Kultur etablieren, die Innovation fördert. Dazu gehören auch eine gute Fehlerkultur und agiles Arbeiten,

  • Verantwortung abgeben und Hierarchien auflösen,

  • den Teams (ausreichende) Budgets zur Verfügung stellen, um transformieren, digitalisieren, kundenzentriert arbeiten und innovativ sein zu können,

Das Unternehmen optimal aufstellen

Auch die technische Infrastruktur und die Personaldecke im Digitalbereich müssen stimmen. CTO oder Management-Team sollten frühzeitig eruieren, welche Stellen noch besetzt werden müssen, und sich Netzwerkpartner suchen, die dazu beitragen, Wissen und Talent zu sourcen – das können zum Beispiel Hochschulen sein. Dann geht es an die Details. Sind Persona und Customer-Journey bekannt? Gibt es eine besondere digitale Customer-Journey? Kennen und ownen wir alle Daten entlang der Customer-Journey? Wo liegen überhaupt unsere Daten, und wie sind sie vernetzt? Welche Abhängigkeiten haben wir? Wie diversifiziert sind unsere Kanäle? Das und vieles mehr muss geklärt werden.

„Das war aber schon immer so!“

In vielen, gerade alteingesessenen Unternehmen tun sich die Manager:innen jedoch schwer damit, Prozesse zu verändern und Strukturen aufzubrechen. „Das war bei uns aber schon immer so!“, höre ich häufiger. Oder: „Mag alles sein, aber bei uns ist das eben eine besondere Situation.“ Doch – so hart das klingt: Das stimmt einfach nie. Was hingegen sicher ist: Wer sich nicht bewegt, wird nicht digital erfolgreich sein. Von nichts kommt nichts. Digitalisierung heißt Wandel, auch wenn der mitunter unbequem sein kann. Wer sich traut, wird belohnt. Allein mit Protofy haben wir dafür schon mehr als 150-mal den Beweis erbracht.

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